Alpen

Hüttenwanderung zur Mannheimer Hütte und Schesaplana

Mannheimer Hütte

Entweder grandioser Saisonabschluss wie bei uns, oder einfach mal wieder grandioses Hüttenfeeling in den Alpen – ab zur Mannheimer Hütte und auf die Schesaplana.

EtappeKMHM hochHM runterGehzeit
1. Brand-Oberzalimhütte-Leibersteig-Mannheimer Hütte111.600m- 6 Std.
2. Mannheimer Hütte-Schesaplana-Totalphütte-Lünersee-Brand18550m2.100m7 Std.

Nach unserer Alpenüberquerung sollte diese Tour noch einmal einen großartigen Saisonabschluss mit der Schesaplana als Gipfel sein. Außerdem wollten wir endlich einmal die Schutzhütte unserer heimatlichen DAV Sektion aus Mannheim kennenlernen, nachdem bei unserem ersten Versuch im Juli die Mannheimer Hütte leider bereits ausgebucht war.

Wir sind diese Tour Anfang September 2015 gelaufen und waren bereits auf schlechtes Wetter vorbereitet. Doch auch in unseren kühnsten Träumen hätten wir uns wohl nicht vorgestellt was bei dieser zweitägigen Tour zur Mannheimer Hütte und auf die Schesaplana auf uns zukommen sollte. Aber lies selbst.

Hier findest Du eine Übersicht aller unserer Touren in den Alpen

Du planst eine Hüttentour in den Alpen und bist Dir unsicher welche Ausrüstung Du benötigst, oder willst einfach nur überprüfen ob Du alles dabei hast? Auf unserer Packliste für eine Hüttentour über das Wochenende findest Du alle wichtigen Gegenstände. Wenn Du länger unterwegs sein möchtest haben wir auch eine erweitere Version der Packliste

Erster Tag – Von Brand zur Oberzalimhütte

Es regnet schon ziemlich stark als wir den Wanderparkplatz Palüd am hinteren Ende des kleinen Örtchens Brand (Österreich, Vorarlberg) erreichen. Etwas unmotiviert werfen wir uns in unser Bergoutfit und den Rucksack auf den Rücken um den Aufstieg zu unserem ersten Etappenziel der Oberzalimhütte zu beginnen.

Mannheimer Hütte

Die Oberzalimhütte

Hier dauert ist nicht lang auf Betriebstemperatur zu kommen, der schmale Pfad entlang eines Bachlaufs steigt durch den Wald steil den Berg hinauf. Der geschotterte Weg führt uns durch den Wald hinauf zur Oberzalimhütte. Etwa 1,5 Stunden bevor wir die Hütte auf 1.889m erreichen verlassen wir den Wald und queren beschauliche Almen um schließlich auf dem letzten Wegstück zur Oberzalimhütte noch einmal einen steilen Anstieg zu meistern.

„Die Oberzalimhütte dient als Versorgungshütte für die Mannheimer Hütte und ist per Materialseilbahn angebunden (Rucksacktransport möglich). Hier hast Du noch einmal die Möglichkeit Dich zu stärken. Außerdem solltest Du Dich je nach Wetterlage über die Aufstiegsbedingungen zur Mannheimer Hütte erkundigen. Natürlich kann in der Oberzalimhütte auch übernachtet werden.“

Über Leibersteig zur Mannheimer Hütte

Der Aufstieg von der Oberzalimhütte zur Mannheimer Hütte kann über den Straußsteig und über den Leibersteig erfolgen. Der Straußsteig gilt als steiler und anspruchsvoller. Aufgrund des zu erwartenden Schneefalls haben wir uns für den Aufstieg über den Leibersteig entschieden.

Nach kurzer Rast und einem warmen Tee geht es weiter Richtung Mannheimer Hütte um die letzten 800 Höhenmeter zu überwinden. Nachdem der Wegverlauf nach der Oberzalimhütte erst langsam ansteigt, wird er nach etwa 20 Minuten schnell spürbar steiler und exponierter.

Beim Aufstieg zeigte sich einmal mehr, wie wichtig es ist im Hochgebirge auf jedes Wetter vorbereitet zu sein. Wir hatten mit leichtem Schneefall und Temperaturen unter 0 Grad gerechnet und wurden schließlich mit einer Schneeschicht von 30 cm und mehr konfrontiert.

Entsprechend froh waren wir, dass wir unsere Winterausrüstung in Form von Handschuhen, Mütze und einer extra Bekleidungsschicht dabei hatten.

Mannheimer Hütte

Aufstieg zur Mannheimer Hütte

Mit zunehmender Höhe nahm der Schneefall und die Bewölkung deutlich zu. Es war kaum möglich weiter als 10 Meter zu sehen. Jeder Schritt musste äußerst vorsichtig gewählt werden. Der Wegverlauf war unter der tiefen Schneeschicht war nicht mehr ersichtlich. Vor jedem Schritt wurde mit Trekkingstöcken die Trittfestigkeit des Untergrunds geprüft.

Im oberen Teil des Leibersteigs erreichten wir ein mit Drahtseil versichertes Wegstück welches uns auf den letzten Höhenmetern zur Mannheimer Hütte begleiten sollten. Man sollte meinen, dass wir uns über die zusätzliche Sicherung gefreut haben. Aber auf dem Drahtseil folgte kaltes Eiswasser langsam der Schwerkraft. Da unsere Handschuhe nicht wasserdicht fahren konnten wir schon nach kurzer Zeit unserer Finger nicht mehr spüren.

Die letzten steilen Höhenmeter waren drahtseilversichert direkt bergaufwärts zu meistern – nicht zu erwähnen dass wir uns hier mehr am Drahtseil über das glatte Eis hinauf gezogen haben. Oben angekommen gab es nur noch eins – so schnell wie möglich die nassen Handschuhe ausziehen.

Bei schönem Wetter ist dieser Aufstieg mit Sicherheit ein Genuss und ohne große technische Mühe zu meistern. Natürlich sollte man für die durchaus luftigen Höhen über eine entsprechende Kondition verfügen.

Oben angekommen galt es im dichten Nebel sich erst einmal Richtung Mannheimer Hütte zu orientieren.

„Als Schutzhütte der Kategorie 1 auf 2.679m bietet sie 130 Schlafplätze im Matratzenlager (100) und Mehrbettzimmern (30). Als wir die Mannheimer Hütte besuchten gab es saubere Waschräume mit kaltem Wasser ohne Dusche.“

Wir kamen auf der Mannheimer Hütte gegen 15:00 Uhr an. Bis zum Abend gesellten sich noch weitere acht Gäste zu uns (von über 80 Reservierungen), die wie wir später erfuhren, unseren Fußspuren gefolgt waren. Wir orientierten uns per GPS Gerät, alle Wegmarkierungen waren zugeschneit. Zum Abend gab es eine leckere Lammkeule, grundsätzlich ist die Küche in der Hütte sehr gut. Nach ein paar Hellen ging es mit Funktionsbekleidung und Mütze in den Schlafsack.

Zweiter Tag – Von Mannheimer Hütte auf die Schesaplana

Am nächsten Morgen gab uns Hüttenwirt Matthias den Hinweis aufgrund der Wetterlage (es hatte die ganze Nacht durchgeschneit) nicht den direkten Rückweg über den Leibersteig anzutreten. Der einzig mögliche Weg führte über den Brandner Gletscher und die Schesaplana zum Lünersee nach Brand.

„Der Brandner Gletscher kann bei gutem Wetter ohne Gefahr überquert werden, da der Gletscher über keine Spalten verfügt. Bei schlechtem Wetter helfen Holzstangen bei der Orientierung.“

Die anderen Gäste schlossen sich uns an, da wir als einzige ein GPS Gerät dabei hatten. Die Wegfindung gestaltete sich trotz GPS Gerät als äußerst schwierig. Wir hatten stets  mit einer Ungenauigkeit von etwa 10m zu kämpfen was uns die Bekanntschaft mit der ein- oder anderen Felsspalte inklusive Blick in den Abgrund bescherte.

Mannheimer Hütte

Auf dem Gipfel der Schesaplana

Nach der Überquerung des Brandner Gletschers sind wir über ein Seil auf eine Anhöhe geklettert. Von dort ging es relativ gerade weiter bis zum Anstieg zur Schesaplana (2.965m). Den Eintrag in unser Gipfelbuch ließen wir uns nicht nehmen bevor wir den Abstieg zur Totalphütte nach etwa 3 Stunden Gehzeit begannen.

„Die Schesaplana ist der höchste Gipfel im Rätikon. Die erste Besteigung erfolgt um 1730 durch den Pfarrer Nicolin Serrerhard. Von hier kannst Du bei gutem Wetter den Blick auf den Brandner Gletscher und den Lünersee genießen.“

Über Totalphütte und Lünersee nach Brand

Der Abstieg beginnt relativ steil mit einer Drahtseilsicherung, wobei der Weg in unserem Fall spiegelglatt war. Nachdem der Abstieg über den schmalen Pfad gemeistert ist erreichen wir eine Hochebene mit toller Aussicht. Der Weiterweg führt dann stetig bergab zur Totalphütte auf 2.385m.

„Die Totalphütte liegt auf 2.385m eta eine Stunde oberhalb des Lünersee. Die Schutzhütte der Kategorie I ist von Mitte Juni bis Anfang Oktober geöffnet. Von hier sind es noch etwa zwei Stunden auf die Schesaplana.“

Hier gibt es noch einmal eine kurze Stärkung in Form einer Kartoffelsuppe bevor es auf die letzten Meter Richtung Lünersee geht. Von der Totalphütte benötigen wir etwa eine Stunde bis zur Bergstation der Lünerseebahn. Von dort geht es ins Tal.

Glücklich und erschöpft erreichen wir unser Auto auf dem Parkplatz und freuen uns über das erfolgreich bestandene Abenteuer zum Saisonabschluss.

Du suchst nach Alternativen zur Mannheimer Hütte?

Viel Spaß auf Deiner Hüttenwanderung zur Mannheimer Hütte. Möge das Wetter mit Dir sein. Wir freuen uns über Kommentare, Fragen und Anmerkungen unter dem Beitrag. Über den „Drucken“-Button unten kannst Du Dir den Text ausdrucken.

Hier findest Du den GPS Track zum Download: GPS Daten (.gpx)

2 Kommentare

  1. Das hört sich ja abenteuerlich an. Ich kenne die Tour nur vom Lünersee aus zur Schesaplana, aber ohne Schnee. Kein Vergleich also. So wie ich mich kenne, hätte ich bei Wintereinbruch in der Hütte Urlaub gemacht, und wäre keinen Schritt weiter gelaufen.
    Viele Grüße
    Carolin

    • Hallo Carolin,

      ja mit ganz soviel Schnee hatten wir auch wirklich nicht gerechnet. In der Hütte war es außer im Aufenthaltsraum auch recht kalt, weswegen der Abstieg glaube ich nicht die schlechteste Wahl war 🙂
      Viele Grüße
      Sebastian

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